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Íngrid Betancourt Pulecio (* 25. Dezember 1961 in Bogotá, Kolumbien) ist eine französisch-kolumbianische Politikerin (Partido Verde Oxigeno / Grüne). Sie trat bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2002 an und wurde noch vor der Wahl im Februar von Rebellen der Guerillabewegung FARC entführt und jahrelang als Geisel gefangen gehalten. Im Juli 2008 wurde sie vom kolumbianischen Militär zusammen mit 14 anderen Geiseln befreit.
Bearbeiten FamilieÍngrid Betancourt ist die zweite Tochter von Gabriel Betancourt (1919–2002) und Yolanda Pulecio (* 1938). Ihre ältere Schwester ist Astrid Betancourt (* 1960). Sie wuchs in Paris auf, wo ihr Vater Gabriel Betancourt Kolumbien bei der UNESCO vertrat. In den 1950er Jahren war er kolumbianischer Bildungsminister. Ihre Mutter Yolanda Pulecio ist eine ehemalige Schönheitskönigin und frühere Abgeordnete in Kolumbien. Betancourt war zunächst seit 1981 mit dem französischen Diplomaten Fabrice Delloye verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Mélanie (* 1985) und Lorenzo (* 1988). 1990 ließ sich das Paar scheiden. 1996 heiratete Íngrid Betancourt Juan-Carlos Lecompte, einen Architekten, PR-Manager und Mitbegründer der Grünen Partei Kolumbiens Partido Verde Oxigeno (PVO). Íngrid Betancourts Vater starb genau einen Monat nach ihrer Entführung, am 23. März 2002, im Alter von 83 Jahren an einem Herzinfarkt. Bearbeiten LebenSie war Schülerin der französischen Oberschule in Bogotá. 1980 ging Íngrid Betancourt an die Elitehochschule Institut d’études politiques de Paris und studierte Politikwissenschaften. Nachdem Luis Carlos Galán, der dem kolumbianischen Drogenkartell den Kampf angesagt hatte, 1989 ermordet wurde, entschloss sich Íngrid Betancourt zum Umzug in ihr Heimatland. Sie arbeitete zunächst im Finanzministerium, bevor sie sich mit dem Versprechen, gegen die Korruption im Land zu kämpfen, um ein Mandat im kolumbianischen Parlament bewarb. Vom 20. Juli 1994 bis zum 20. Juli 1998 war sie Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Sie deckte auf, dass der damalige Präsident Ernesto Samper seinen Wahlkampf mit Drogengeldern des Cali-Kartells finanziert hatte. Mit einem Hungerstreik verlieh sie ihrer Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung in diesem Fall Nachdruck. Nach einer mehrstündigen Rede im Parlament im Juni 1996 fand Íngrid Betancourt in ihrer Post das Foto einer zerstückelten Kinderleiche. Nur wenige Wochen später wurde ihr Wagen in einen Hinterhalt gelockt, und jemand versuchte, auf sie zu schießen. Aufgrund von Todesdrohungen gegen sie und ihre Familie brachte sie ihre beiden Kinder 1996 ins Ausland. Ende der 1990er Jahre machte Íngrid Betancourt erstmals Bekanntschaft mit den Guerilleros. Im Dschungel traf sie auf den FARC-Anführer Manuel Marulanda. 1997 wurde sie Mitglied der Partei Oxígeno Verde (deutsch: Grüner Sauerstoff). Seit dem 20. Juli 1998 saß sie als Abgeordnete im Senat. Für die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2002 meldete sie ihre Kandidatur an. Kurz vor Abbruch der Friedensgespräche traf sie sich am 14. Februar 2002 erneut mit den Guerilleros. Gemeinsam mit anderen Präsidentschaftskandidaten diskutierte sie mit den Rebellen über Bedingungen für den Frieden. Am 1. September 2008, zwei Monate nach ihrer Befreiung aus den Händen der FARC, wurde Sie von Papst Benedikt XVI. in Rom empfangen.[1] Bearbeiten Entführung durch die FARCAm 23. Februar 2002 wurden Íngrid Betancourt und ihre Wahlkampfleiterin Clara Rojas von linksgerichteten FARC-Rebellen entführt, als sie sich in die Nähe des von den Rebellen kontrollierten Gebietes begaben. Íngrid Betancourt und ihre Begleiter waren in einem Geländewagen ohne Begleitschutz unterwegs. Wenige Kilometer vor der Stadt Villa San Vicente de Caguán stießen sie auf eine Straßensperre der Guerilleros. Die beiden Frauen wurden auf ein Fahrzeug geladen und in den Dschungel verschleppt. Das erste Lebenszeichen der Geiseln war ein Video vom 15. Mai 2002. Am 30. August 2003 wurde ein weiteres Video veröffentlicht. In diesem richtete Íngrid Betancourt einen Appell an die Öffentlichkeit, dass man sich für ihre Freilassung einsetze. Sie befand sich körperlich in guter Verfassung. Am 16. Mai 2007 erklärte Jhon Frank Pinchao, ein am 1. November 1998 entführter Polizist, nach seiner Flucht, dass er gemeinsam mit Íngrid Betancourt in einer Gruppe gefangen gehalten worden sei. Am Tag seiner Flucht – dem 28. April 2007 – habe er sie das letzte Mal gesehen. Die kolumbianische Armee stellte am 30. November 2007 bei festgenommenen FARC-Rebellen Videobänder sicher, auf denen Íngrid Betancourt zu sehen war. Die Aufnahmen wurden laut Regierungsangaben auf den 24. Oktober 2007 datiert, damit waren die Bilder das erste Lebenszeichen von Íngrid Betancourt nach über vier Jahren. Der frühere Kongressabgeordnete Luis Eladio Pérez, der ebenfalls entführt worden war und Anfang 2008 von den FARC freigelassen wurde, berichtete, dass Íngrid Betancourt „körperlich sehr, sehr krank und seelisch erschöpft“ sei. Nach Aussagen des katholischen Priesters Manuel Mancera sei Íngrid Betancourt am 20. Februar 2008 in El Capricho, einem Dorf in der Provinz Guaviare, zur Behandlung durch einen Arzt in die Krankenstation gebracht worden. Sie leide an Hepatitis B und der Tropenkrankheit Leishmaniose, sagte der Geistliche weiter. Bearbeiten Reaktionen im AuslandInternational rückte der bewaffnete Konflikt in Kolumbien durch diesen Entführungsfall stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt weil sie auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde Íngrid Betancourts Schicksal in Frankreich mit besonderer Anteilnahme verfolgt. In vielen Pariser Métrostationen hingen auf Werbetafeln Plakate mit einem Appell („L’oubli tue“, zu deutsch: „Vergessen tötet“), um auch nach Jahren der Gefangenschaft Íngrid Betancourt nicht zu vergessen. Sie ist seit 2002 Ehrenbürgerin von Paris und Rom. Auch in anderen europäischen Staaten, darunter in Deutschland, hat das Schicksal von Íngrid Betancourt Solidarität ausgelöst. Zum vierten Jahrestag ihrer Entführung forderten die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Bütikofer und Claudia Roth, die Guerillaorganisation FARC auf, „Íngrid Betancourt freizulassen und ihr jahrelanges Martyrium endlich zu beenden“. Der Lebensgefährte von Íngrid Betancourt, Juan Carlos Lecompte, nahm am 13. Dezember 2002 den ihr verliehenen Petra-Kelly-Preis in Berlin entgegen. Die internationale Jury hatte ihr am 7. Oktober 2002 diese Auszeichnung zuerkannt. Nach ihrer Entführung wurde sie in über 1.000 Kommunen – darunter in Belgien, Kanada und Frankreich – zur Ehrenbürgerin ernannt. Auf einem internationalen Gipfeltreffen der Grünen Parteien in Brasilien am 4. Mai 2008 wurde Íngrid Betancourt einstimmig zur Ehrenpräsidentin der Global Greens gewählt. Bearbeiten VermittlungsbemühungenSeit ihrer Geiselnahme wurde mehrfach über ihre Freilassung mit den FARC verhandelt, u.a. unter Vermittlung durch Frankreich, Venezuela und Ecuador. Durch den Einsatz des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez wurden im Januar 2008 die frühere Wahlkampfleiterin Betancourts, Clara Rojas, und die am 10. September 2001 entführte Kongressabgeordnete Consuelo González von den FARC freigelassen. Weitere vier Geiseln, die Politiker Gloria Polanco, Luis Eladion Pérez, Orlando Beltrán und Jorge Eduardo Géchem, wurden im Februar 2008 freigelassen. Laufende Vermittlungsbemühungen wurden jedoch durch einen am 1. März 2008 erfolgten Luft- und Bodenangriff kolumbianischer Militär- und Polizeieinheiten gegen ein FARC-Lager auf ecuadorianischem Territorium, bei dem unter anderen der Verhandlungsführer der FARC, Raúl Reyes, getötet wurde, beendet (siehe: Bewaffneter Konflikt in Kolumbien). Der Präsident Ecuadors warf daraufhin der kolumbianischen Regierung vor, die bevorstehende Befreiung von zwölf Geiseln, darunter Íngrid Betancourt, verhindert zu haben und fügte hinzu, dass er nicht ausschließe, dass dies einer der Gründe für den Angriff gewesen sei.[2][3] Es gilt unter Experten jedoch als unwahrscheinlich, dass die FARC tatsächlich planten, Betancourt freizulassen, da sie wichtigstes Faustpfand für größere Verhandlungslösungen und Garantie für die internationale Aufmerksamkeit für die Sache der FARC war.[4][5] Nach den Meldungen über den bedrohlichen Gesundheitszustand Betancourts starteten im April 2008 Frankreich, Spanien und die Schweiz erneut eine humanitäre Mission, um sie aus der Gewalt der FARC zu befreien.[6] Die französische Regierung und Betancourts Sohn Lorenzo Delloye-Betancourt appellierten an die Entführer, das Leben Íngrid Betancourts nicht aufs Spiel zu setzen und sie statt dessen französischen Ärzten zu übergeben. Die FARC lehnte aber eine Freilassung ohne den Austausch von Gefangenen ab, weshalb die Rettungsaktion abgebrochen werden musste.[7] Ende Mai 2008 gab der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe Vélez bekannt, dass sich mehrere Chefs der FARC-Guerillabewegung zur Freilassung von Íngrid Betancourt und anderer Geiseln bereiterklärt hätten.[8] Bearbeiten BefreiungAm 2. Juli 2008 wurde Betancourt zusammen mit drei US-Staatsbürgern (Mitarbeiter des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman)[9] und elf kolumbianischen Soldaten in einem unblutigen Einsatz vom kolumbianischen Militär aus der Gefangenschaft befreit. Dieser Einsatz, Operación Jaque (dt. „Operation Schach“) genannt, wurde wahrscheinlich von der für Antiterrorkampf und Geiselbefreiung zuständigen Sondereinheit des Heeres, der Agrupación de Fuerzas Especiales Antiterroristas Urbanas (AFEUR)[10] (dt. „Urbane Sondereinsatzkräfte-Gruppe für Antiterrorkampf“) ausgeführt. Von offizieller Seite wurde lediglich gemeldet, dass eine Spezialeinheit des Militärs verantwortlich gewesen sei.[11] Nach Angaben der Regierung sei ein Hubschrauber der Streitkräfte als einer der FARC getarnt worden, habe das Lager der Rebellen angeflogen und die Bewacher hätten die Geiseln ohne Widerstand einsteigen lassen.[12] Wie das New Yorker «Wall Street Journal» berichtete, war die US-Regierung sehr früh in den Plan zur Befreiung eingeweiht und unterstützte diesen auch mit konkreter Hilfe. Nachdem frühere militärische Befreiungsversuche anderer Geiseln blutig gescheitert waren, sei den Beteiligten klar gewesen, dass jede neue Aktion nur durch "Gerissenheit und nicht durch Waffengewalt" zum Erfolg führen könne, schreibt das Blatt. Ende Mai hätten drei Offiziere der kolumbianischen Armee die entscheidende Idee entwickelt: Sie wollten die Rebellen in einem gigantischen Bluff dazu bringen, die Geiseln aus dem Lager des FARC-Führers Gerardo Aguilar Ramirez in das Lager des FARC Führers, Alfonso Cano, bringen zu lassen. Die Rebellen sollten glauben, dass Cano neue Verhandlungen mit Frankreich und anderen Staaten beginnen wolle. Grundvoraussetzung dafür war den Recherchen zufolge eine manipulierte Telefonleitung, über die Mitarbeiter des kolumbianischen Militärgeheimdienstes Kontakt in beide FARC-Lager aufnehmen konnten. In einem falschen Spiel überzeugten die Militärs beide Seiten von der Notwendigkeit der Verlegung der Geiseln.[13] Der Schweizer Radiosender RSR berichtete allerdings zwei Tage nach der Befreiung, dass Betancourt und die anderen Entführten durch die kolumbianische Regierung gegen eine Zahlung von 20 Millionen US-Dollar freigekauft worden seien und dass die Befreiungsaktion nur eine Inszenierung gewesen sei.[14] Die FARC griffen diese Behauptung auf und beschuldigten die Bewacher Betancourts des Verrats und der Korruption. Die Regierungen Frankreichs und Kolumbiens dementierten dies jedoch. Auch Betancourt selbst glaubt nicht an diese Version. Das was sie erlebt habe, könne keine Inszenierung gewesen sein.[15] Auch „César“, der für die Bewachung Betancourts zuständige FARC-Guerillero, leugnet für die Befreiung Geld erhalten zu haben.[16] Im Nachhinein wurde bekannt, dass mindestens ein Mitglied der Spezialeinheit zur Tarnung das Schutzzeichen des Roten Kreuzes benutzt hat, was einen schweren Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellt. Das Rote Kreuz verurteilte den Missbrauch des Symbols. Andere Soldaten hatten sich als Journalisten des venezolanischen Fernsehsenders teleSUR und des ecuadorianischen Fernsehens Ecuavisa getarnt. Beide Medien kündigten die Prüfung rechtlicher Schritte gegen die Verwendung ihrer Symbole an. Anfangs bestritt die kolumbianische Regierung, dass Symbole für die Täuschung der Rebellen missbraucht worden seien. Zwei Wochen später erklärte Präsident Uribe, ein Soldat habe spontan aus Angst, entgegen ausdrücklicher Befehle, das Rote-Kreuz-Symbol benutzt. Ein im Fernsehen ausgestrahltes Video zeigte jedoch, dass ein Mitglied des Befreiungskommandos das Symbol schon vor Beginn der Aktion trug, was auf die planmäßige Verwendung des Symbols hindeutet. Präsident Uribe verurteilte die Ausstrahlung des Videos als möglichen „Landesverrat“.[17] Bearbeiten EhrungenAm 14. Juli 2008 wurde Íngrid Betancourt vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen.[18] Bearbeiten Schriften
Bearbeiten VerweiseBearbeiten Weblinks
Wikinews: Íngrid Betancourt – Nachrichten
Commons: Íngrid Betancourt – Bilder, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Íngrid Betancourt – Zitate
Bearbeiten Einzelnachweise
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